Was hat Schmieden mit Bodenkunde zu tun?

Bei Schmieden denken viele an heißes Eisen und Hammerschläge. Wenn eine ihre Esse aus Lehm baut, dann geht es aber auch um Bodenkunde. Lehmbau ist sehr flexibel und billig, deshalb habe ich beschlossen meine Esse aus Lehm zu bauen. Worauf muss ich dabei achten?

Bald ist meine Lehmesse fertig. Mal sehen ob sie den hohen Temperaturen stand hält, oder ob ich die Mischung nochmals ändern muss.

Was ist Lehm?

Die Bezeichnung Lehm wird umgangssprachlich sehr vielseitig verwendet. Mal meinen Leute sehr feuchten Boden, mal meinen sie tonigen Boden, manchmal denken sie dabei an den Bodentyp.

In der Bodenkunde ist Lehm jene Bodenart welche  zu annähernd gleichen Teilen aus Schluff, Sand und Ton besteht. Doch auch in der Fachsprache ist das nicht immer dasselbe, so gibt es beispielsweise Unterschiede zwischen „österreichischem“ und „deutschem“ Lehm.

Das österreichische (rechts) und das deutsche (links) Texturdreieck sind sich recht ähnlich. Sie unterscheiden sich ein wenig in den Massenanteilen von Schluff, Ton und Sand (Quelle: BoWaSan und Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie).

So gilt ein Boden in Österreich schon ab 50% Tonanteil als reiner Tonboden, in Deutschland hingegen erst ab 65%.

Lehm erkennen

Lehm kannst du mit verschiedenen Sedimentierungsverfahren im Labor bestimmen. Dabei werden die unterschiedlichen Konrgrößen (Ton, Schluff, Sand) voneinander getrennt und ihre Anteile bestimmt. Meistens habe ich aber meinen Siebsatz und die Spezialpipette nicht in der Hosentasche dabei. Außerdem geht es auch ohne: nimm ein Stück Erde in die Hand, mach es feucht und

  1. Versuch es zu einer bleistiftdicken Wurst auszurollen.
  2. Versuch es zu einem Ring zu formen.
  3. Zerdrücke die Erde sie an dein Ohr und knete sie.
1. Wurst rollen, 2. Ring formen, 3. Zerdrücken und kneten – Diese Erde lässt sich leicht Formen, und zeigt dabei keine Risse. Sie knirscht außerdem etwas. Vermutlich handelt es sich um schluffigen oder sandigen Ton.

Erde die sich ausrollen und zu einem Ring formen lässt, aber beim zerdrücken leicht reißt und stumpf bzw. nur schwach glänzend ist, deutet auf Lehm. Außerdem sollte sie etwas knirschen.

Hui, ganz schön viele Dinge auf einmal. Aber wenn du es immer wieder machst, wirst du in manchen Böden die Eigenschaften bemerken, die ich eben beschrieben habe.

(Mehr zu Feldbodenkunde gibt es bald)

Lehm ist nicht gleich Lehm

Ton kann sich ausdehnen und zusammenziehen. Das hast du bestimmt schon einmal gesehen: wenn der Boden im Sommer bei Trockenheit große Risse bekommt hat er einen hohen Tonanteil.

So viele und tiefe Risse. Dieser Boden hat bestimmt einen hohen Tonanteil.

Doch nicht nur der Tonanteil spielt eine Rolle, sondern auch die Tonminerale. Verschiedene Tonminerale dehnen sich unterschiedlich aus. Smectite dehnen sich beispielsweise mehr aus als Vermiculite. Um Lehm zum Bauen zu verwenden, kommt es also auch drauf an, dass der Tonanteil deines Lehms aus dem richtigen Tonmineral besteht.

Warum? Wenn du eine Esse aus Lehm mit viel Smectiten baust, dann wird sie wahrscheinlich Risse bekommen, da der Ton beim Anmischen viel Wasser aufnimmt, sich ausdehnt und dann beim Trocknen stark zusammenzieht. Tonminerale, die sich nicht so stark ausdehnen sind daher besser geeignet.

Zeit zu Experimentieren!

Woher weißt du also, ob dein Lehm das richtige Tonmineral zum Bau einer Esse hat? Äh tja, Tonmineralbestimmung ist aufwändig (chemische Merkmale oder Röntgenographie) und folglich teuer, sofern deine beste Freundin nicht zufällig Labortechnikerin ist.

Um deinen Boden für Lehmbau zu verwenden, brauchst du aber den Namen des dominierenden Tonminerals nicht zu wissen. Du kannst einfach testen, ob dein Boden geeignet ist:

  1. Mische einen Kübel Lehm mit etwas Wasser, bis eine kuchenteigähnliche Masse entsteht.
  2. Streiche eine zwei Zentimeter dicke Schicht auf einen Ziegelstein oder ein Brett.
  3. Lass das ganze im Schatten trocknen.

So kannst du beobachten, ob, wie schnell und von welcher Größe Risse beim Trocknen entstehen.

Wenn du kein Labor hast, musst du dir was anderes überlegen um herauszufinden, welche Eigenschaften dein Material hat. Hier eine Versuchsreihe von Lehm ohne Zusätze (rechts) bis Lehm mit zunehmenden Anteilen an Heu und Sand (links).

Neben dieser Grundmischung kannst du verschiedene Zusätze, wie zum Beispiel Heu, Stroh, Kuhmist und Sand, ausprobieren. Wichtig: probier auch unterschiedliche Anteile der Zusätze aus. Ein geringer Sandanteil wirkt sich anders aus als ein hoher Sandanteil.

Wenn alles komplett trocken ist, suchst du dir die Mischung aus, die am wenigsten Risse hat.

Lehmbau und Bodenverdichtung

Im Grunde genommen mache ich mir bei Lehmbau Bodenverdichtung zu nutze: durch das mechanische Vermischen mit Wasser werden schwächere Aggregate, sowie sämtliche Poren zerstört.

„Tock, tock.“ erklingt es, wenn ich auf die Probe klopfe. Ich kann sie einfach aufheben. Sieht nicht so aus, als ob Pflanzenwurzeln oder Würmer hier einfach durchkommen könnten.

Was übrig bleibt ist eine harte, undurchlässige Platte. Beim Lehmbau erwünscht, auf Ackerboden problematisch, denn wie sollen Pflanzen und Bodenlebewesen diese Barriere durchbrechen? Das passiert also mit Boden, wenn schwere Geräte über nassen Boden fahren.

Welche Experimente hast du schon versucht? Was hast du dabei herausgefunden?

 

Quellen:

Blume et al. (2011): Bodenkundliches Praktikum, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg

https://bfw.ac.at/300/pdf/bodenart.pdf

Cepuder et al. (2017): Applied Soil Physics – Versuchsanleitungen (in Deutsch), Universität für Bodenkultur Wien

 

 

 

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